Ein Auswärtswettkampf mit der 1. Mannschaft Landesliga-Süd

Ich bin heute nur der Fahrer, weil unser Oberschießsportleiter heute nicht so gerne fahren möchte. Warum? Ist ein Betriebsgeheimnis. „grins“ Abfahrtszeit 09.00 Uhr.

Sonntagmorgen 07.00 Uhr, der Wecker klingelt. Das geht eigentlich gar nicht, aber was soll`s. Raus aus der Koje, Brötchen holen, frühstücken, Kaffee trinken. Noch ein Kaffee. Brötchen für unterwegs machen, Adresse fürs Navi raussuchen, und Handy nicht vergessen, ach ja und natürlich von Frau und Sohn verabschieden. Uups, fast vergessen. Die sehe ich wohl erst heute Abend wieder. Bin etwas aufgeregt.

Das erste Mädel von den 3 Mädels abholen. Weiter zu Wolle, da treffen sich die anderen beiden die ich noch mitnehme. Die komplette Ausrüstung im Kofferraum verstauen. Wahnsinn, wenn ich mit meiner Pistolentruppe den Kofferraum so voll packen wollte, dann müsste ich noch einen Mannschaftsbus für die ganzen Schützen buchen Und hier fahren nur 3 Schützinnen mit. Die anderen Beiden kommen direkt von zu Hause. Puuhh, was ein Glück. Jetzt alle einsteigen und Wolle nicht vergessen. Ja, das passt!

Rauf auf die Bahn und schlappe 120 Kilometer fahren bis nach Rosdorf bei Göttingen. Im Auto kurze Besprechung und Zustandsbericht der körperlichen und seelischen Verfassung. Auf dem Beifahrersitz Wolle. Sitzheizung an, Sonne direkt von vorne, da wird’s ganz schnell ruhig. War wohl etwas später gestern, äh früh heute Morgen. Hinten, ganz normale Gespräche unter Frauen/Müttern. Ich halte mich mal zurück, bin hier in der Unterzahl. Muss ja auch nach vorne gucken und fahren. Zum Glück ist die Bahn frei und keine LKWs unterwegs.

Nach etwa 75 Minuten angekommen, Kofferraum leer machen.  Rein ins Schützenhaus, erstmal einen Kaffee und Umgucken. Nee, das glaube ich nicht. Hier wird noch auf Papierstreifen geschossen. Und…… überall Taschen, Koffer, Schießjacken, Schießschuhe und Gewehrtaschen. Ach, da sind ja sogar ein paar Stühle an den Tischen. Nur blöd das die meisten schon besetzt sind oder sich gar nicht mehr bewegen lassen. Wenn ich mit meiner LP-Truppe losfahre, stehen ein paar kleine Koffer (Aktenkoffergröße) in der Ecke. Was die hier alles mitschleppen müssen um vernünftige Ergebnisse zu schießen? Das ist schon Irre. Ich bin seit mehr als 30 Jahren in der Schützengesellschaft und staune heute immer noch darüber.

Die Mädels sind umgezogen. Die Spannung steigt. Waffen überprüfen. Munition mitnehmen und auf den Schießstand packen. Hab ich das gut hier, kann hier sitzen bleiben und Ticker meine Gedanken ins Laptop.  Wobei, so langsam steigt auch bei mir die Spannung. Bei Wolle wohl auch, aber er sondiert mit unauffälligem Blick die Lage bei den Gegnern, regelt noch alles Notwendige bei der Schießleitung. Jetzt macht er auf ganz Cool. Aber wer ihn etwas besser kennt, sieht dass er auch nervös ist. Unsere Aktiven scheint das „Drumherum“ gar nicht zu interessieren Vielleicht sind Sie auch schon in ihrem „Tunnel“. So, jetzt nochmal alle knuddeln. Ab jetzt sind sie auf sich allein gestellt. Jede für sich. „Toi Toi Toi“. Mannschaftsaufstellung entfällt heute, da leider nur 5 Mädels mitgefahren sind. Da steht die Aufstellung schon automatisch durch die Setzliste. (Bei jeder Mannschaft wird der Durchschnitt der letzten Wettkampfergebnisse gerechnet) Bester Durchschnitt heißt an erster Stelle für die Mannschaft schießen.

Vorbereitungszeit (15 Min) inklusive Probeschießen ist vorbei. Jetzt beginnt der eigentliche Wettkampf (60 Min) gegen den aktuellen Tabellenersten. Daumen drücken, dass die Nerven halten. Die ersten 10er-Serien kommen nach 7 Minuten. Das Mannschaftsergebnis steht nach 50 Minuten fest. Allerdings muss Christiane mit 376 Ring noch ins Stechen. Sie kann den Mannschaftswettbewerb zwar nicht mehr gewinnen, aber könnte noch einen Einzelpunkt holen. Die Spannung ist förmlich zu spüren. Alle Zuschauer halten den Atem an. Erster Stechschuss — beide eine 9. Der zweite Stechschuss – beide eine 9. Jetzt geht’s an die Nerven. Der dritte Stechschuss – beide eine 10. Sensationell!! Applaus für beide Schützinnen. Für Wolle und für mich ist das aber gar nicht gut. Vor Anspannung flattern einem die Herzklappen. Jetzt der vierte Stechschuss! Ab jetzt wird in Zehntelwertung ausgewertet. Christiane 9,6 „Super“ nur leider hat die Gegnerin eine 9,9 geschossen. Wahnsinn, war das knapp. Verloren! Enttäuschung? Ja und Nein. Punkt zwar nicht geholt,  aber Nervenstärke bewiesen und gut geschossen.

Christiane beim Stechenschiessen

Der Wettkampf ging mit 4:1 leider verloren. Wenn man allerdings die Einzelergebnisse betrachtet, haben alle gut geschossen. Christiane 376 Ring, Katharina 371 Ring, Wiebke 367 Ring, Saskia 368 Ring und Nicole 371 Ring. Egal. „Gewehr abputzen“ und auf den zweiten Wettkampf um ca. 15.00 Uhr vorbereiten. Erstmal ne Kleinigkeit  essen und die Anspannung fallen lassen. Das habt ihr gut gemacht!

 

 

14:45 Uhr. Wieder rein in die Schießklamotten und fertig machen für den zweiten Wettkampf der um 14.50 Uhr beginnt. Hoffentlich haben die Mädels den „Suppenkoma“ gut überstanden und sind fit für den 2. Durchgang am heutigen Wettkampftag. Zum Glück hat der Gegner das gleiche Problem. Die Moral stimmt bei unseren Frauen. Die Nervosität steigt wieder. Auf geht’s. Für Wolle und mich bleibt nur das Daumen drücken.
Auch jetzt kommen die ersten Zehnerserien nach 7 Minuten.  Die Platzierungen in den einzelnen Paarungen wechseln im Laufe des Wettkampfes immer hin und her. Es bleibt spannend, ich kann da gar nicht hingucken. Gehe erstmal vor die Tür was für die Nerven tun. Ist das Irre! Von 5 Begegnungen müssen zwei ins Stechen. Christiane mit 373 Ring und Katharina mit 376 Ring gegen Ihre jeweiligen Kontrahenten.

Katharina beim Stechenschiessen

Katharina ist als Erste dran. Mit dem ersten Stechschuss haben beide eine 9 geschossen. Im zweiten Stechschuss hat Katharina eine 7 geschossen und Ihr Gegner eine 9. Schade, das erste Stechen ging leider verloren. Es steht 2:2. Jetzt kommt es auf Christiane an ob wir den Wettkampf mit 3:2 gewinnen oder mit 2:3 verlieren.  Mit dem ersten Stechschuss hat Christiane eine  8 geschossen (Mist, das geht besser „grins“). Aber ihr Gegner hat Nerven gezeigt und nur eine 7 geschossen. Wie es uns allen ging brauche ich wohl nicht zu beschreiben.

Hurra, damit konnten wir beide Mannschaftspunkte mitnehmen und in der Einzelpunktewertung 3:2 gewinnen. Christiane mit 373 Ring, Katharina 376 Ring, Wiebke 378 Ring, Saskia 368 Ring und Nicole mit 365 Ring.

Tagesergebnis: 2:2 Mannschaftspunkte und 4:6 Einzelpunkte. Der Klassenerhalt sollte gesichert sein. Das war ja auch vor Saisonbeginn das gesetzte Ziel.

Meinen allergrößten Respekt.

Herzlichen Dank an Euch von eurem Fahrer Andreas